Kann Honig schlecht werden? Was tun, wenn das MHD abgelaufen ist?

Die Frage “Kann Honig schlecht werden?” bekommt man als Imker sehr oft gestellt. Insbesondere wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) bereits in der Vergangenheit liegt, werden Verbraucher verunsichert. Wir können Entwarnung geben, grundsätzlich gilt nämlich: Honig wird bei richtiger Lagerung nicht schlecht. Lediglich der Wassergehalt im Honig darf nicht zu hoch sein. So ist Honig auch nach Jahrhunderten, sogar nach über 3.000 Jahren verzehrbar, wie Forscher mit Honig aus einem ägyptischen Grab beweisen konnten.
Was es mit dem Wassergehalt im Honig auf sich hat und wie Honig optimal gelagert werden sollte, wird im nächsten Abschnitt erklärt.
Ist abgelaufener Honig gefährlich?
Nein. Ein überschrittenes Mindesthaltbarkeitsdatum macht Honig nicht gefährlich. Das MHD ist kein Verbrauchsdatum, sondern eine Garantie des Herstellers für Aroma, Farbe und Konsistenz — keine Aussage über Genusstauglichkeit. Richtig gelagerter Honig ist auch Jahre nach dem aufgedruckten Datum bedenkenlos essbar.
Gefährlich wird Honig praktisch nur in zwei Fällen, und beide haben mit dem MHD nichts zu tun:
- Der Honig gärt, weil sein Wassergehalt zu hoch ist. Das erkennst du an einer flüssigen Schicht obenauf, an Bläschen und an einem prickelnden, leicht alkoholischen Geschmack. Solcher Honig gehört nicht mehr aufs Brot.
- Säuglinge unter zwölf Monaten dürfen grundsätzlich keinen Honig bekommen — unabhängig von Alter und Haltbarkeit des Glases. Honig kann Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum enthalten, mit denen der noch unreife Darm von Babys nicht umgehen kann. Für ältere Kinder und Erwachsene besteht dieses Risiko nicht.
Was viele für Verderb halten, ist dagegen völlig harmlos: Wird der Honig fest, weiß oder körnig, kristallisiert er lediglich aus. Das ist ein natürlicher Vorgang und sogar ein Zeichen für unbehandelte Ware — mehr dazu im Beitrag über weißen Honig und im Vergleich von flüssigem und cremigem Honig.
Der Wassergehalt des Honigs sollte nicht mehr als 18% betragen
Schlechter Honig im Supermarktregal
Naturhonig besteht chemisch gesehen hauptsächlich aus Kohlenhydraten und Wasser. Hinzu kommen noch gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe wie z.B. antibakteriell wirkende Inhibine und Vitamine. Der Rohstoff für den Honig ist der von den Bienen gesammelte Nektar. Dieser enthält ca. 80% Wasser. Nachdem die Bienen den Nektar in ihren Bienenstock gebracht haben, dicken sie den Nektar ein, wodurch sein Wassergehalt verringert wird. Ab einem Wassergehalt von 18 Prozent (lt. dem Deutschen Imkerbund) spricht man von reifen Honig, der geerntet werden kann. Die Honigverordnung schreibt einen Wassergehalt von max. 20 Prozent vor.
Sollte der Honig davor geerntet werden und damit zu viel Wassergehalt haben, beginnt der Honig im Glas zu gären. Honig der gärt ist in der Regel nicht mehr als Brotaufstrich verzehrbar. Dies wird sichtbar, wenn sich der Honig im Glas absetzt (siehe Foto). Ist der Honig im reifen Zustand geerntet worden, wird der Honig bei richtiger Lagerung nicht schlecht. Anders sieht es bei Honig-Zubereitungen aus, denen weitere Zutaten beigemischt sind — etwa Nüsse, Trockenfrüchte oder Gewürze. Diese Zutaten halten deutlich kürzer als der Honig selbst, weshalb solche Produkte ein früheres Mindesthaltbarkeitsdatum tragen. Hier lohnt sich der Blick aufs Etikett.
Woran erkennt man schlechten Honig?
Wenn Honig nicht mehr gut ist, weil bspw. der Wassergehalt zu hoch war, dann setzt sich eine mindestens Zentimeter dicke, flüssige Schicht auf dem Honig ab. Nach einiger Zeit kommt es zusätzlich zur Blasenbildung, da der Honig nun gärt. Wenn man gegärten Honig probiert, prickelt der leicht. Dieser Honig sollte nur noch zum Backen oder zur Erstellung von Honigwein (Met) verwendet werden.
Wie sollte Honig gelagert werden damit er nicht schlecht wird?
Honig sollte am besten an einem Ort aufbewahrt werden welcher trocken, kühl und dunkel ist. Ideal ist eine Temperatur zwischen vier und 15 Grad. Bei langfristig höheren Temperaturen kann der Honig sich entmischen und der Gärprozess wird dadurch begünstigt. Eine hohe Luftfeuchtigkeit führt dazu, dass Honig Wasser aus der Umgebungsluft aufnimmt. Wenn der Honig beispielsweise in einem feuchten Keller gelagert wird, zieht der Honig Wasser aus der Luft. Der Wassergehalt im Honig steigt dann im Zweifel auf über 18%, wodurch er zu gären beginnen kann. Helligkeit ist bei der Lagerung zu vermeiden da Licht der Feind von Enzymen ist. Ohne Enzyme verliert der Honig jegliche desinfizierenden Wirkung und ist dann nur noch ein leckeres Süßungsmittel.
Wieso hat Honig ein Mindesthaltbarkeitsdatum?
Wir haben nun bereits geklärt, dass Honig eigentlich nicht schlecht werden kann insofern er zum richtigen Zeitpunkt geerntet wurde und richtig gelagert wird. Daher stellt sich die Frage weshalb auf Honig dann das Mindesthaltbarkeitsdatum abgedruckt ist? Der Grund hierfür ist die EU Verordnung Nr. 1169/2011.
Nach dieser Verordnung muss jedes Lebensmittel ein Mindesthaltbarkeitsdatum enthalten. Der Deutsche Imkerbund empfiehlt ein Mindesthaltbarkeitsdatum von maximal zwei Jahren nach Abfüllung. An diese Empfehlung halten sich so gut wie alle Honigproduzenten.
Das MHD sagt also mehr über die EU-Kennzeichnungspflicht aus als über den Honig im Glas.
Was tun, wenn der Honig abgelaufen ist?
Eine kurze Prüfung genügt:
- Ansehen. Hat sich oben eine flüssige Schicht abgesetzt? Sind Bläschen zu sehen?
- Riechen. Riecht der Honig säuerlich oder nach Alkohol statt nach Honig?
- Probieren. Prickelt er auf der Zunge?
Ist alles unauffällig, kann der Honig ganz normal weiterverwendet werden — auch wenn das MHD Jahre zurückliegt. Ist er kristallisiert, hilft ein Wasserbad bei maximal 40 °C; höhere Temperaturen zerstören die Enzyme. Zeigt er dagegen Gärungsanzeichen, gehört er nicht mehr aufs Brot, lässt sich aber noch zum Backen oder für Met verwenden.