Gesundheit

Honig bei Diabetes: Erlaubt oder nicht? Was Diabetiker wissen sollten

Honig bei Diabetes - was ist dabei zu beachten?

Dürfen Diabetiker Honig essen? Ja — Honig ist nicht verboten. Er ist aber auch keine harmlose Alternative zu Zucker: Honig besteht zu rund 80 Prozent aus Kohlenhydraten und muss deshalb genauso in die Berechnung einfließen wie eine Scheibe Brot oder ein Löffel Haushaltszucker.

Was das im Alltag konkret bedeutet — bei Typ 1, bei Typ 2 und bei einer Unterzuckerung — erklärt dieser Gastbeitrag von Frau Dr. med. Carola Kersten.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Wie viel Honig für Sie persönlich vertretbar ist, hängt von Ihrer Therapie, Ihren Blutzuckerwerten und Begleiterkrankungen ab. Besprechen Sie das mit Ihrer Diabetologin oder Ihrem Diabetologen.

Ist Honig bei Diabetes erlaubt?

Kurz: ja, in Maßen und mit Anrechnung. Es gibt kein medizinisches Verbot von Honig bei Diabetes. Entscheidend ist nicht, ob Honig „natürlich” ist, sondern wie viele Kohlenhydrate er liefert und wie schnell sie ins Blut gelangen.

Grundsätzlich enthält Honig etwa 78 Gramm Kohlenhydrate pro 100 Gramm. Ein gestrichener Teelöffel wiegt rund 7 Gramm und enthält damit etwa 5,5 Gramm Kohlenhydrate. Zum Vergleich: Haushaltszucker liegt bei nahezu 100 Gramm Kohlenhydraten pro 100 Gramm. Der Unterschied ist also vorhanden, aber deutlich kleiner, als die Vorstellung von Honig als „gesundem Süßungsmittel” nahelegt.

Wer die Unterschiede zwischen den Süßungsmitteln genauer nachlesen möchte, findet sie im Beitrag Honig statt Zucker und im Vergleich von Xylit, Stevia und Honig.

Der Unterschied zwischen Typ 1 und Typ 2

Der menschliche Körper benötigt Insulin, um Kohlenhydrate aus dem Blut in die Körperzellen zu transportieren, wo sie als Energielieferant dienen. Bei Diabetes ist dieser Vorgang gestört — allerdings auf zwei unterschiedliche Weisen:

  • Typ-1-Diabetes: Die Bauchspeicheldrüse produziert kein oder fast kein Insulin mehr. Jede Kohlenhydratmenge muss durch gespritztes Insulin abgedeckt werden. Honig wird dabei wie jedes andere Kohlenhydrat berechnet und in Broteinheiten (BE) bzw. Kohlenhydrateinheiten (KE) umgerechnet.
  • Typ-2-Diabetes: Insulin ist zunächst vorhanden, wirkt an den Zellen aber schlechter (Insulinresistenz); im Verlauf kann die eigene Produktion zusätzlich nachlassen. Hier steht weniger die exakte Berechnung im Vordergrund als die Gesamtmenge an schnell verfügbaren Zuckern über den Tag.

Darf man bei Diabetes Typ 2 Honig essen?

Auch hier lautet die Antwort ja — mit dem Zusatz, dass bei Typ 2 häufig ohnehin eine Reduktion freier Zucker empfohlen wird. Honig ersetzt in diesem Rahmen keinen Zucker, sondern ist einer. Wer ihn genießen möchte, sollte ihn entsprechend einplanen und nicht zusätzlich zum bisherigen Zuckerkonsum verwenden.

Wie schnell wirkt Honig auf den Blutzucker?

Honig besteht hauptsächlich aus Kohlenhydraten, Wasser, Enzymen und Vitaminen. Die enthaltenen Kohlenhydrate sind vor allem Fruktose, Glukose und in geringem Maß Maltose. Weil die verschiedenen Honigsorten von unterschiedlichen Blüten und Pflanzen stammen, unterscheidet sich ihre Zusammensetzung — und damit die Geschwindigkeit, mit der sie den Blutzucker beeinflussen:

  • Je höher der Glukoseanteil, desto schneller gelangen die Kohlenhydrate ins Blut.
  • Je höher der Fruktoseanteil, desto länger dauert es, bis der Körper sie verwertet.

Diese Sortenunterschiede sind real, aber sie machen aus Honig kein blutzuckerneutrales Lebensmittel. Welche Sorte welche Eigenschaften mitbringt, steht ausführlich in der Übersicht der Honigsorten.

Welcher Honig hilft bei einer Unterzuckerung?

Bei einer Hypoglykämie (Unterzuckerung) zählt Geschwindigkeit. Hier sind Honigsorten mit hohem Glukoseanteil im Vorteil, etwa Rapshonig oder Obstblütenhonig — die Glukose steht dem Körper rasch zur Verfügung.

Wichtig ist allerdings die Einordnung: Honig ist kein Ersatz für die von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt empfohlene Notfallmaßnahme. Für die akute schwere Unterzuckerung sind Traubenzucker oder Glukosegel vorgesehen, weil deren Menge exakt bekannt und die Aufnahme zuverlässig ist. Honig kann bei einer leichten Unterzuckerung oder vorbeugend vor sportlicher Belastung eine praktische Ergänzung sein — die Absprache dazu gehört in die Diabetes-Sprechstunde.

Honig bei ausgeglichenem Blutzucker

Liegt der Blutzucker im Zielbereich und steht keine Sporteinheit an, sind Honigsorten mit höherem Fruktosegehalt die ruhigere Wahl — beispielsweise Sommerblütenhonig. Er wird langsamer verwertet und lässt den Blutzucker weniger steil ansteigen.

Ein Hinweis zur Qualität: Die im Honig enthaltenen Enzyme und Vitamine bleiben nur erhalten, wenn der Honig nicht über etwa 40 °C erwärmt wurde. Auf den Kohlenhydratgehalt — und damit auf den Blutzucker — hat das allerdings keinen Einfluss.

Häufige Fragen

Ist Honig besser für Diabetiker als Zucker? Nur geringfügig. Honig enthält etwas weniger Kohlenhydrate pro 100 Gramm und zusätzlich Spurenelemente, Enzyme und Vitamine. Diese Mengen sind jedoch klein. Als Argument, mehr davon zu essen, taugt das nicht.

Wie viel Honig ist bei Diabetes vertretbar? Eine allgemeingültige Menge gibt es nicht — sie hängt von Therapie, Blutzuckerverlauf und Gesamternährung ab. Die Frage gehört in die ärztliche Beratung, nicht in einen Blogbeitrag.

Senkt Honig den Blutzucker? Nein. Honig ist ein kohlenhydratreiches Lebensmittel und erhöht den Blutzucker. Gegenteilige Behauptungen sind nicht belegt.

Fazit

Honig ist bei Diabetes erlaubt, wenn er wie jedes andere Kohlenhydrat behandelt und angerechnet wird. Bei Typ 1 heißt das: korrekt berechnen und abdecken. Bei Typ 2: bewusst einplanen statt zusätzlich verwenden. Bei Unsicherheit gilt in beiden Fällen dasselbe — sprechen Sie mit Ihrer Diabetologin oder Ihrem Diabetologen.